Magico S5 MK1 – Perfektion oder Kompromiss
Die Magico S5: Ein detailreicher Blick auf Alon Wolfs Aluminium-Lautsprecher – und warum sie für mich keine Option ist
Als leidenschaftlicher Audiophile mit einem Faible für Lautsprecher, die den Nerv der Musik treffen, habe ich mich intensiv mit der Magico S5 auseinandergesetzt. Diese Alusäulen, die 2012 als Flaggschiff der S-Serie eingeführt wurden, verkörpern den unerbittlichen Anspruch ihres Schöpfers Alon Wolf: Lautsprecher zu bauen, die nicht nur messbar perfekt sind, sondern Live-Musik in all ihrer Dynamik und Transparenz reproduzieren.
Doch bevor wir in die Technik eintauchen, lasst uns einen Moment bei dem Mann verweilen, der Magico zu einem Synonym für audiophile Exzellenz gemacht hat. Alon Wolf ist ein Autodidakt an der Schnittstelle aus Kunst, Ingenieurwesen und Musik. Mit nur vier Stunden Schlaf und einer Arbeitswucht von bis zu 20 Stunden täglich tauchte er in die Physik des Industriedesigns ein. Bereits 1994 baute er seinen ersten „perfekten“ Lautsprecher – ein organisches, diffraktionsfreies Design nur für sich selbst.
Er gründete Magico in Hayward, Kalifornien, mit dem Mantra: „No holds barred“ – keine Kompromisse bei Materialien, Messwerten oder Klangidealen. Wolfs Einfluss reicht weit: Er hat nicht nur den neutralen, auflösenden Magico-Sound geprägt, sondern die gesamte High-End-Branche dazu inspiriert, enger an physikalische Grenzen heranzurücken. Er fotografiert seine Kreationen sogar selbst, weil er Perfektion in jedem Detail sucht – von der Ästhetik bis zur Akustik.
Die Magico S5 MK1: Technische Raffinesse im Detail
| Merkmal | Technische Daten |
|---|---|
| Hersteller / Modell | Magico S5 MK1 |
| Bauart | 3-Wege, 4-Treiber, geschlossen (sealed enclosure) |
| Gehäusematerial | Extrudiertes Aluminium, ca. 9,5 mm Wandstärke |
| Hochtöner | 1 × 26 mm Beryllium-Kalotte |
| Mitteltöner | 1 × 150 mm Nano-Tec-Treiber |
| Tieftöner | 2 × 250 mm Nano-Tec-Treiber (Scan-Speak Basis) |
| Frequenzgang | ca. 22 Hz – 50 kHz |
| Empfindlichkeit | ca. 88 dB / 2,83 V / 1 m |
| Impedanz (nominal) | 4 Ohm (Minimum 3 Ohm) |
| Gewicht | ca. 88 kg pro Stück |
Der Frequenzgang erstreckt sich von 22 Hz bis 50 kHz. Wolf empfiehlt zwar mindestens 50 Watt, aber in der Praxis braucht es mehr – viel mehr –, um das Potenzial auszuschöpfen. Die zwei 10-Zoll-Tieftöner stammen von Scan-Speak und sind mit Magicos Nano-Tec-Staubkappen modifiziert. Der 6-Zoll-Mitteltöner ist ein Sandwich aus aerospace-tauglichem Rohacell-Schaum und Carbonfaser. Und der Hochtöner? Ein 28-mm-Beryllium-Dom mit extrem niedrigen Verzerrungsraten.
Zu deinem Verdacht mit Morel: Ja, Magico nutzt den israelischen Hersteller oft als Basis für die S-Serie. Morels Uniflow-Aluminium-Chassis bilden das Grundgerüst, das Magico mit Graphene-Beschichtungen veredelt. Das Ergebnis: 20% leichter und 300% steifer als Standard-Chassis. Der Crossover ist ein Kunstwerk aus Kupferfolien-Spulen und Mundorf-Kondensatoren.
Meine Erfahrung: Eine enttäuschende Demo, die mehr sagt als Datenblätter
Vor ein paar Monaten lud ich meinen alten Kumpel Rainer ein, um die S5 MK1 bei einem Händler zu hören. Der Raum war ideal – akustisch behandelt und symmetrisch. Die Kette: Ein Accuphase E-650 (30 Watt Class-A) und ein WiiM-Streamer. Auf dem Papier sollte das passen, aber was wir hörten, war entmutigend. Die Präsentation war flach wie ein Brett – keine Tiefe, keine Luft.
Die Bässe klangen undefiniert, als wären sie in Watte gepackt. Sie boomten zwar nicht, aber ihnen fehlte jede Artikulation. Die Raumbildung? Miserabel. Instrumente klebten an den Boxen, kein Hauch von Holografie. Rainer und ich waren uns einig: Die Vorführung war für die Katz. Der Haken ist: Ein E-650 ist ein feines Gerät, aber er hat nicht die Kraft, eine Magico artgerecht anzutreiben. Wolf betont selbst: „Leistung – so viel wie möglich!“
Alles andere ist Mumpitz. Wenn die Impedanz auf 3 Ohm taucht, wird der Bass ohne Stromreserven matschig und die Dynamik erstickt. Dennoch: Selbst in dieser Kette hört man die Tonalität. Für mich war sie zu steril, zu wenig Seele trotz technischer Brillanz. Die S5 MK1 fühlte sich eher wie ein Kompromiss an.
Warum die MK1 für mich raus ist – und der Blick zur MKII
Wolf hat das Potenzial wohl selbst erkannt und nur drei Jahre später die MKII nachgeschoben – mit Diamond-coated Tweeter und Graphene-Mitteltönern. Das Ergebnis soll flüssiger und natürlicher sein. Aber mal ehrlich: In dieser Preisklasse ein Upgrade nach nur drei Jahren? Das fühlt sich an wie geplante Obsoleszenz im High-End-Gewand. Magico könnte langlebiger designen, statt jährlich zu iterieren.
Die S5 MK1 ist ein technisches Juwel, aber sie braucht das richtige Kraftwerk im Rücken. Für mich war es ein Grund, weiterzusuchen. Hast du schon Alternativen wie Rockport oder Wilson im Auge? Lass uns drüber quatschen!
Kennst Du Aliexpress? Dort gibt es oft günstige und wirklich tolle HighRes Player und Wandler für den Einstieg: Aliexpress!