Magico S3 MK 1 Review
Die Magico S3 Mk I: Einer der Großen, gefangen zwischen Membranfläche und purer Spektakulärität
Ein Erfahrungsbericht aus der WhatsApp-Hölle der Magico-Geschädigten
Manche Lautsprechermarken schaffen es, ihre Käufer zu Anhängern, ja fast schon zu Jüngern zu machen. Magico LLC aus Hayward, Kalifornien, ist so ein Fall. Und damit sind wir mittendrin in unserer kleinen, verschworenen WhatsApp-HiFi- und High-End-Gruppe. Denn eines muss man klar sagen: Fast alle von uns sind „Magico-geschädigt“ – wir sind süchtig nach dieser kompromisslosen Philosophie.
Deshalb ist dieser Bericht über die Magico S3 Mk I auch kein klassischer Labortest, sondern eine Bestandsaufnahme aus der Magico-Elite unserer Gruppe. Wir verlassen uns hier auf die akribischen Notizen und Sprachnachrichten von Adam, unserem wandelnden Magico-Archiv.
Die Philosophie des Alon Wolf: Vom CGI zur CNC-Fräse
Um zu verstehen, warum Magico diesen Status genießt, muss man den Kopf der Marke kennen: Alon Wolf. Der Mann ist weit mehr als nur ein Entwickler. Er ist ein technisch versierter Industriedesigner, passionierter klassischer Gitarrist und kommt ursprünglich aus der CGI-Branche (Hollywood-Produktionen wie Shrek). Er hat die Präzision der digitalen Welt 1:1 in Hardware übersetzt.
Das Ergebnis: Gehäuse aus massiven, flugzeugtauglichen Aluminium-Strangprofilen, CNC-gefräst bis zum Abwinken. Null Toleranz, maximale Steifigkeit. Wolf ist ein „Big Measurements Guy“ – er misst, simuliert und baut. Die S3 Mk I war über Jahre das Herzstück des Portfolios, bevor sie Ende 2016 von der Mk II abgelöst wurde. Sie verkörperte perfekt die Symbiose aus technischem Wahnsinn und einem gerade noch wohnraumfreundlichen Auftritt.
Im Magico-Club: V3, S1, S3 – Die Evolution der Sucht
Unsere Gruppe ist ein lebendiges Magico-Museum. Uli begann mit einer V2 und landete bei der S3 Mk I. Thorsten und Marius haben sich die genialen S1 Mk II gegönnt. Adam durchlief die V3 und die S1 Mk II, bevor die S3 Mk I bei ihm einzog. Und viele von euch wissen, dass ich selbst lange mit der Magico V3 gesegnet war, bevor ich mein Heil bei der Dynaudio C5 fand.
Adam’s Dilemma: S1 Mk II vs. S3 Mk I
Adams Meinung ist Gold wert, weil er die S-Serie direkt verglichen hat – und zwar an heftigstem Besteck: Jeff Rowland 525, dem brachialen Gryphon Diablo 300 und der messerscharfen Spectral DMA 260. Genug Strom und Kontrolle waren also immer da. Sein Fazit ist ein echtes HiFi-Dilemma:
„Für mich ist die S1 Mk II die beste 2-Wege-Box der Welt,“ sagt Adam.
Er schätzt die S1 Mk II als extrem musikalischen Lautsprecher, bei dem die Präzision dem musikalischen Fluss den Vortritt lässt. Er kennt keine Box, die so spektakulär spielen kann. Aber dann kommt die Physik der S3 Mk I: deutlich mehr Membranfläche. Wer ein echtes Schlagzeug mit Wucht und physischer Kontrolle abbilden will, kommt an der S3 kaum vorbei. Interessanterweise fand Adam den Bass seiner alten V3 noch trockener als den der S3. Das zeigt: Selbst innerhalb einer Marke variieren die Signaturen massiv.
„Ulis Hörbericht: Ein Hördrama in zwei Akten (und einer Couch, die leiden muss)“
Da steht sie also, die Magico S3 Mk1. Ein ausgewachsener Dreiwege-Bolide. Ulis erste Ansage ist knallhart: „Du kannst eine S3 nicht unter 25 qm betreiben. Dafür ist dieser Lautsprecher viel zu mächtig!“
Uli musste das auf die harte Tour lernen. In seinem alten 18-qm-Raum war die S3 ein klanglicher Sargdeckel – zu viel Bass, zu wenig Luft. Aber im neuen 45-qm-Hörraum durfte sie endlich atmen. Das Ergebnis? Eine dreidimensionale Bühne mit einer Tiefenstaffelung, die man fast greifen kann. Die Durchhörbarkeit reicht bis runter zu 26 Hertz. Und Vorsicht: Das ist kein sanftes Streicheln, das ist ein Tritt ins Zwerchfell, der die Couch in Schwingungen versetzt.
Das Schöne: Mit diesem Powerhouse kannst du Hardrock und Heavy Metal mit vollem Dynamikumfang genießen, ohne dass es in Brei endet. Sie macht schlicht keine Fehler, solange man den Bass im Griff hat. Präzise, schnell, impaktstark und dabei stets natürlich.
Fazit: Das große Magico-Dilemma
Die Geschichte der Magico S3 Mk I ist eine Geschichte der Kompromisslosigkeit, die am Ende doch in persönlichen Kompromissen mündet. Adam vermisst die spektakuläre Magie der S1, braucht aber das Fundament der S3. Uli schwört auf die Macht, warnt aber vor kleinen Räumen.
Es ist das ewige Duell: Präzision versus Spektakularität.
Die S3 Mk I bleibt ein zeitloses Statement. Ob sie für dich die Richtige ist, hängt nicht vom Datenblatt ab, sondern von drei Faktoren: Raumgröße, Elektronik und deinem persönlichen Geschmack. Wer den Platz und das Schweißgerät von Verstärker hat, findet hier einen Spielpartner ohne Fehl und Tadel.
Technische Daten:
| Spezifikation | Wert/Beschreibung |
|---|---|
| Konzept | 3-Wege-Standlautsprecher (geschlossen) |
| Gehäuse | Extrudiertes Aluminium (6061 T6), CNC-gefräst |
| Hochtöner | 1 × 1-Zoll MBe-1 Beryllium-Kalotte |
| Mitteltöner | 1 × 6-Zoll Graphene-Nano-Tec Konus |
| Tieftöner | 2 × 7.5-Zoll Aluminium Konus |
| Empfindlichkeit | Ca. 88 dB (bei 2.83V/1m) |
| Frequenzbereich | Ca. 26 Hz − 50 kHz |
| Gewicht | Ca. 68 kg pro Stück |