Es gibt diese Alben, die man jahrelang im Regal stehen hat, ohne sie eines Blickes zu würdigen. Manchmal landen sie dort durch Zufall, manchmal als Beifang auf dem Flohmarkt. Genau so kam die CD „Jacques Loussier Plays Bach“ (erschienen beim Label Telarc) in meinen Besitz. Sie lag für schmales Geld zwischen anderen Scheiben, die ich eigentlich suchte.
Heute war der Rainer – mein treuer HiFi-Komplize – wieder zu Gast, um über die großen Fragen der High-End-Welt zu philosophieren. So sehr wir uns bei der Technik einig sind, gibt es musikalisch eine kleine „Jazz-Barriere“: Rainer ergreift bei Saxofon und Besen-Schlagzeug eher die Flucht. Wenn er da ist, lassen wir die Anlagen also meist mit feinstem Deep House oder Dub Techno warmspielen
Wer sich fragt, warum Tigran Hamasyans Piano so perlend, schnell und attackreich klingt: Kongshaug war bekannt dafür, fast religiös auf DPA (ehemals Brüel & Kjær) 4011 Mikrofone zu setzen. Die sind gnadenlos impulstreu. Abgehört wurde das Ganze über die legendären Dynaudio Acoustics M4 Main-Monitore. Da wird nichts geschönt.
Früher war es Lärm, aber ab einer gewissen Qualitätsstufe im Rack verstand ich plötzlich, was da eigentlich passiert. Es zeichnete sich ein glasklares Bild an Informationen: Was spielt sich vor mir ab? Was passiert neben mir? Was sogar über mir? Wenn die Anlage diese Räumlichkeit und Dynamik darstellen kann, holt dich der Sound sofort ab.
Alles begann mit der Lust am Testen. An einem Abend entschied ich mich spontan, meinen Jeff Rowland Continuum 250 aus dem Schlafzimmer zu verbannen und ihn durch ein ganz anderes Kaliber zu ersetzen: den großen, schweren Mark Levinson No. 585 Vollverstärker. Als Zuspieler diente der BlueSound Node 2i Streamer, direkt angekoppelt an den internen Wandler des Mark Levinson.
Aber ein letzter, ernster Appell an euch: Tut mir und vor allem den Künstlern einen Gefallen. Verschwendet diese Aufnahme nicht nebenbei auf einem Bluetooth-Mono-Speaker in der Küche oder mit den 5-Euro-Kopfhörern, die beim Handy dabei waren. Dieses Album lebt vom Raum, vom feinen Ausklingen der Saiten, vom leisen Atmen direkt vor der Membran. Wer hier am Equipment spart, hört vielleicht die Melodie, aber er beraubt sich selbst der Magie
Ihr wisst es: Wenn bei mir eine neue Scheibe mit dem berühmten, glasklaren ECM-Logo (ja, das aus Koblenz!) auf dem Plattenteller landet, dann bin ich sofort angefixt. In erster Linie natürlich, weil die Aufnahmen schlichtweg atemberaubend sind.
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