Mathias-Eick-–-When-We-Leave Bild CD Cover in Beige und weiß das leicht bemustert ist

Mathias Eick  When We Leave

Mathias Eick – When We Leave Hörbericht:

  • Label: ECM Records – ECM 2660
  • Format: CD, Album, Stereo, Vinyl, Streaming
  • Land: Germany
  • Veröffentlicht: 24. Sept. 2021
  • Genre: Jazz
  • Stil: Contemporary Jazz / Zeitgenössischer Jazz
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Bericht über Mathias Eick und sein Album When We Leave

Mathias Eick, der norwegische Trompeter und Komponist, ist längst keine Randnotiz mehr in der europäischen Jazzszene, sondern eine feste Institution. Geboren 1979 in Furnes, Norwegen, ist er einer jener Musiker, die das Instrument nicht einfach nur spielen, sondern atmen lassen. Er beherrscht neben der Trompete auch Klavier und Violine – ein Multi-Talent, dessen Ausbildung an der renommierten Norwegischen Musikakademie in Oslo das Fundament für eine Karriere legte, die Genregrenzen sprengt.

Wer Eick kennt – vielleicht als Sideman bei den legendären Jaga Jazzist, bei Manu Katché oder dem Trondheim Jazz Orchestra – der weiß: Hier geht es nicht um höher, schneller, weiter. Eick ist bekannt für diesen unverwechselbaren, lyrischen „Nordic Tone“. Melancholie, die nicht runterzieht, sondern wärmt. Große Emotionen, weite Klanglandschaften und eine Phrasierung, die Geschichten erzählt, ohne ein einziges Wort zu verlieren.

When We Leave: Das Album

Mit When We Leave, veröffentlicht 2021 auf dem audiophilen Heiligtum ECM Records, legt Eick ein Werk vor, das tief blicken lässt. Es ist, als würde man ein persönliches Tagebuch aufschlagen. Das Album thematisiert Abschied, Veränderung und die Kunst des Loslassens. Es ist die logische Fortsetzung seiner musikalischen Reise, eine Erkundung von Melancholie und Hoffnung, die sich wie ein roter Faden durch seine Diskografie zieht.

Besetzung: Ein Ensemble, das atmet

Mathias Eick hat hier nicht einfach Session-Musiker zusammengewürfelt, sondern eine Band geformt, die blindes Verständnis zelebriert:

  • Mathias Eick: Trompete – Der unbestrittene Kapitän, der mit sanftem Ton den Kurs vorgibt.
  • Håkon Aase: Violine – Für mich der heimliche Star der Platte. Wie sich seine Violine um die Trompete windet, ist ganz große Kunst.
  • Andreas Ulvo: Klavier – Das harmonische Rückgrat, immer präsent, nie aufdringlich.
  • Audun Erlien: Bass – Ein Fundament wie aus Granit, aber warm und organisch.
  • Torstein Lofthus: Schlagzeug – Präzise, dynamisch, treibend.
  • Helge Andreas Norbakken: Percussion – Der Mann für die Texturen und das gewisse Etwas im Hintergrund.

Diese Kombination aus akustischen Instrumenten und feinen elektronischen Texturen schafft eine Atmosphäre, die man mit dem Messer schneiden kann. Besonders die Violine von Håkon Aase bringt eine fast kammermusikalische Intimität rein, die im Jazz selten so gut funktioniert.

Musikalischer Stil und Klangqualität

Das Album bewegt sich fließend zwischen Jazz, Folk und zeitgenössischer Klassik. Eick verbindet die traditionelle nordische Melancholie mit modernen Improvisationen, ohne dass es je verkopft wirkt. Sein Trompetenspiel ist warm, fast singend, und trifft einen direkt ins emotionale Zentrum.

Und jetzt mal Tacheles zur Technik: Wir reden hier über eine ECM-Produktion. Das bedeutet: Referenzklasse. Der Klang ist kristallklar, unglaublich räumlich und atmosphärisch dicht. Manfred Eicher und sein Team verstehen es wie keine anderen, „Luft“ um die Instrumente zu lassen. Wer eine vernünftige Anlage zu Hause stehen hat, wird belohnt: Die Instrumente stehen plastisch im Raum, der Hall ist perfekt dosiert, und die Dynamik ist greifbar. Das ist kein Brei aus dem Radio, das ist High-Fidelity für Genießer. Wenn die Anlage das hergibt, spürt man förmlich das Holz des Basses und das Metall der Trompete.

Konzept und Rezeption:

When We Leave ist konzeptionell durchdacht. Eick beschreibt es als eine Reise des Loslassens. Themen wie Liebe, Verlust und Neuanfang sind universell, und genau so klingt die Musik auch: verständlich, menschlich, nahbar. Kritiker weltweit haben das Album gefeiert, und das völlig zu Recht. Es wird oft als eines seiner reifsten Werke bezeichnet, weil hier Technik und Emotion in perfekter Waage stehen.

Schlusswort: Ein Pflichtkauf für den entspannten Abend

When We Leave ist mehr als nur ein weiteres Jazzalbum im Regal – es ist ein Seelenschmeichler. Mathias Eick gelingt das Kunststück, Musik zu machen, die audiophile Ansprüche befriedigt, aber auch Menschen abholt, die sonst einen Bogen um Jazz machen. Es ist zugänglich, aber niemals banal. Die melodische Klarheit der Trompete, unterstützt durch die sensiblen Beiträge der Band (besonders dieser wunderbare Dialog mit der Violine!), macht jedes Stück zu einem kleinen Gesamtkunstwerk.

Das Album strahlt eine Gelassenheit aus, die in unserer hektischen Zeit gut tut. Es gibt Momente der absoluten Stille, gefolgt von energetischen Passagen, die einen wieder wachrütteln. Folk-Einflüsse treffen auf Klassik, alles verpackt in den typischen, grandiosen ECM-Sound. Wer Musik sucht, bei der man die Augen schließen und abdriften kann, während die HiFi-Kette zeigt, was sie an Feindynamik und Raumabbildung draufhat, der muss hier zugreifen. When We Leave ist ein Highlight, das auch nach dem zehnten Durchlauf nicht langweilig wird.

Tracklist und kurze Beschreibungen der Titel:

  1. Loving – 5:24
    Ein wunderbar einfühlsamer Einstieg. Die Trompete schwebt über einem sanften Rhythmus-Teppich. Man fühlt sich sofort willkommen und geborgen. Der perfekte Start, um runterzukommen.
  2. Caring – 6:09
    Hier steht die Fürsorge im Mittelpunkt. Ruhige, intime Melodien, bei denen besonders die Violine und die Percussion eine Atmosphäre von Nähe schaffen, die fast schon privat wirkt.
  3. Turning – 5:36
    Jetzt kommt Bewegung rein. Ein dynamisches Stück, das einen Wendepunkt markiert. Lebhafte Rhythmen und markante Akzente sorgen für eine kraftvolle Intensität, die die Anlage fordert.
  4. Flying – 5:10
    Der Name ist Programm. Eine schwebende, fast ätherische Melodie vermittelt ein Gefühl von absoluter Leichtigkeit und Freiheit. Augen zu und abheben.
  5. Arvo – 5:30
    Eine offensichtliche, meditative Hommage an Arvo Pärt. Minimalistische Harmonien, sanfte Bögen, viel Raum zum Atmen. Nachdenklich, fast spirituell und wunderschön aufgenommen.
  6. Playing – 5:20
    Hier darf es auch mal fröhlich sein. Ein energiegeladenes Stück, das die Spielfreude der Band einfängt. Trompete und Violine liefern sich einen lebendigen Dialog, der einfach Spaß macht.
  7. Begging – 4:54
    Der emotionale Rausschmeißer. Eine flehende, intensive Melodie, die einen noch lange nach dem letzten Ton beschäftigt. Ein würdiger Abschluss für ein großartiges Album.