CD Cover mit einer Frau das ein Schild in der Hand hält.

Class D vom Schaltverstärker zum High-End-Wunder – Jeff Rowland und Co im Fokus

Class D im High-End: Von der Schalt-Endstufe zum Klangwunder

Wie moderne Ingenieurskunst und clevere Konzepte eine einst verschmähte Technik in die Champions League der Audiowelt katapultierten.


Lange Zeit war die Sache in der HiFi-Welt scheinbar in Stein gemeißelt: Wer echten Klang wollte, griff zu Class-A, wer ordentlich Dampf brauchte, nahm Class-AB, und wer sparen musste oder einen Subwoofer befeuerte, der gab sich eben mit Class-D zufrieden. Das war das Dogma, an dem jahrzehntelang nicht gerüttelt wurde. Aber Tacheles: Die Realität hat dieses Weltbild längst überholt. Die besten Class-D-Verstärker spielen heute in einer Liga, in der sich klassische Konzepte warm anziehen müssen – und in Sachen Kontrolle und Präzision oft sogar den Kürzeren ziehen.

Der Trick dabei? Die früher typischen Krankheiten wie harsche Höhen, flache Mitten und eine gewisse „digitale Kälte“ wurden durch gnadenloses Engineering eliminiert. Wir reden hier von extrem hohen Schaltfrequenzen, komplexen Feedback-Schleifen und Filtern, die so präzise arbeiten, dass am Ende nichts als reine Musik übrig bleibt.

Wie Class D wirklich tickt

Machen wir kurz die Haube auf: Class-D-Verstärker sind im Grunde ultraschnelle Schalter. Statt das Signal linear aufzublähen, wird es in ein hochfrequentes PWM-Signal (Pulsweitenmodulation) zerhackt. Die Transistoren kennen nur zwei Zustände: „An“ oder „Aus“. Das ist genial effizient, weil kaum Verlustwärme entsteht. Wirkungsgrade von über 90 Prozent sind hier Standard – ein Segen für kompakte Gehäuse und kühle Köpfe.

Aber: Damit daraus wieder Wohlklang wird, braucht es am Ausgang einen Tiefpassfilter. Und genau hier trennt sich der Spreu vom Weizen. Je höher die Bandbreite sein soll, desto höher muss die Kiste intern takten, um Schalt-Müll und Störungen zu vermeiden. Die Herausforderung: EMV-Probleme und Schaltartefakte im Keim zu ersticken.

Bandbreite – Die Königsdisziplin

Für Standard-CD-Kost reichen theoretisch 400 kHz Schaltfrequenz. Aber für High-Res und echte audiophile Ansprüche muss mehr her. Wir reden heute von 1 MHz Schaltfrequenz und mehr. Das erfordert ein Layout, das chirurgisch präzise ist, und Bauteile mit minimalsten Toleranzen. Wenn das alles passt, ist Class D kein Kompromiss mehr, sondern eine Ansage an die Klassik-Fraktion.

Der Aha-Moment: Jeff Rowland in der Praxis

Ich durfte das selbst erleben. Als ich den Jeff Rowland Continuum 250 im Test hatte, wurden meine Vorurteile Stück für Stück zerlegt. Beim Einschalten: totale Schwärze. Kein Rauschen, kein Summen. Und dann die Musik: holographische Räumlichkeit, seidige Mitten und eine Basskontrolle, die so trocken und schnell war, dass es eine wahre Freude war. Rowland taktet intern mit bis zu 1 MHz und nutzt ein adaptives Feedback, das Fehler in Echtzeit korrigiert. Das klingt nicht nach „Schalter“, das klingt nach großer Kunst.

Die Meister der neuen Schule

Jeff Rowland ist nicht allein. Hier sind die Schwergewichte, die Class D im High-End salonfähig gemacht haben:

  • Jeff Rowland: Bandbreite bis über 100 kHz, extrem schnell, transparent und trotzdem plastisch.
  • Meridian: Hier trifft adaptive digitale Filterung auf modernste Schalttechnik. Das Ergebnis: Perfekte Räumlichkeit.
  • Devialet: Die Franzosen mischen Class A und Class D (ADH-Technik). Klinisch rein und emotional packend zugleich.
  • Bang & Olufsen: Mit der ICEpower-Plattform haben sie den Grundstein für modernes Class-D-Audio gelegt.
  • JBL: Nutzen Class D für ihre mächtigen Aktivsysteme – dynamisch, pegelfest, ehrlich.

Und natürlich die neue Generation wie Kii Audio, Grimm Audio oder Dutch & Dutch. Hier wird Class D durch DSP-Intelligenz ergänzt, was Ergebnisse ermöglicht, die in normalen Räumen früher undenkbar gewesen wären.


Das Dogma ist gefallen – Ein Blick zurück

Warum hat es so lange gedauert? In den 70ern und 80ern war Class A das Maß der Dinge. Warm, edel, aber ineffizient wie eine alte Glühbirne. Class AB war der vernünftige Kompromiss. Class D hingegen war lange das „Schimpfwort“ der Szene. „Digital-Müll“ sagten die einen, „flach und steril“ die anderen. Und ja, die frühen Kisten klangen oft auch so.

Aber die Technik ist erwachsen geworden. Dank Hochfrequenz-Modulen und DSP-Linearisierung sind die alten Fehler Geschichte. Heute, Ende 2025, ist klar: Class D ist nicht nur eine Alternative, sondern oft der überlegene Weg. Die Szene hat sich verändert, und wer heute noch pauschal über Schaltverstärker schimpft, hat schlicht den Anschluss verpasst.


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Videobeschreibung: Class D Verstärker: Von verpönt zu High-End? In diesem Video schauen wir uns an, wie Hersteller wie Jeff Rowland, Devialet und JBL das Dogma gebrochen haben. Warum klingen heutige Schaltverstärker so verdammt gut?