Musical Fidelity Pan

Musical Fidelity Pan

Musical Fidelity Pan CD Tube Player Erfahrungsbericht / Test: Röhren-Voodoo im Raumschiff-Design

Der Musical Fidelity Pan könnte mühelos als Requisite in einem Science-Fiction-Klassiker mitwirken. Sein Design ist so weit weg von der Norm, dass es mehr an ein abgestürztes UFO oder ein futuristisches Laborgerät erinnert als an einen herkömmlichen CD-Player. Ich besitze die erste Serie der „Pan“, die durch ihren gewölbten Plastik-Toploader auffällt, unter dem die ECC 88 Röhren keck hervorlugen. Spätere Versionen bekamen eine Glasscheibe spendiert, was sie zwar „wertiger“ wirken lässt, aber für mich bleibt die Ur-Version die eigentlich kultigere und konsequentere Variante.

Verarbeitung: Britische Exzentrik trifft massives Metall

Das Gehäuse ist eine Wucht: Komplett aus massivem Metall gefertigt, schwer und unerschütterlich. Dass Anthony Michaelson beim Toploader und den Bedienfeldern auf Plastik gesetzt hat, ist zwar ein kleiner haptischer Wermutstropfen, trübt das Gesamtbild aber kaum. Die Bedienung ist radikal minimalistisch: Play, Pause, Stop, Skip – das war’s. Eine Fernbedienung? Fehlanzeige! Wer skippen will, muss aufstehen. Das ist kein Bug, das ist ein Feature zur Entschleunigung.

Michaelson verfolgte ein klares Ziel: Er wollte einen Player schaffen, der den Hörer musikalisch fesselt und die Technik vergessen lässt. Und dieses Konzept geht voll auf. Während man bei modernen Playern oft rastlos durch die Tracks zappt, zwingt einen die Pan zur Ruhe. Man legt die CD ein, startet die Wiedergabe, lehnt sich mit einer guten Flasche Rotwein zurück und genießt das Album als Ganzes. Ein echtes „Slow-Food“-Erlebnis für die Ohren.

Klangcheck: Wenn die Röhre glüht, schmilzt das Herz

Aber Achtung: Die Pan braucht Zeit. Wer sie kalt einschaltet und sofort Wunder erwartet, wird enttäuscht. Erst nach etwa 30 Minuten, wenn die Röhren auf Betriebstemperatur sind, entfaltet sie ihr volles Potenzial. Was dann passiert, ist magisch: Eine Räumlichkeit, Wärme und Dynamik, die man bei digitalen Quellen selten findet.

Ich lehne mich mal weit aus dem Fenster: Die Pan spielt so emotional und lebendig wie eine hochwertige Vinyl-Fräse, nur ohne das lästige Knistern. Ich hatte bisher kaum einen CD-Player in meinen Hallen, der eine derart packende Live-Atmosphäre erzeugen konnte. Bei manchen Aufnahmen hat man das Gefühl, nicht nur davor zu sitzen, sondern mitten im Studio zwischen den Musikern zu stehen. Das ist Gänsehaut-Garantie!

Fazit

Der Musical Fidelity Pan ist ein absolutes Kultobjekt. Wer auf haptische Perfektion und unendliche Funktionslisten steht, sollte einen großen Bogen um ihn machen. Wer aber ein Gerät sucht, das Musik atmet und optisch wie klanglich ein absolutes Statement setzt, wird diesen Player lieben. Er ist exzentrisch, er ist eigenwillig, aber er ist verdammt musikalisch. Ein echtes Stück HiFi-Geschichte!


Technische Spezifikationen:

  • Modell: Pan (auch bekannt als CDT)
  • Baujahre: ab 1992
  • Herkunft: Großbritannien (British Design)
  • Ausgangsstufe: Röhren-Ausgang mit 2x ECC88 (Single Ended Triode Class A)
  • Laufwerk / Laser: Sanyo SF-90 6/7
  • Wandler-Prinzip: Bitstream
  • Frequenzgang: 20 Hz – 20.000 Hz
  • Signalrauschabstand: 90 dB
  • Kanaltrennung: 65 dB
  • Anschlüsse: 1x Analog Line-Out (Cinch, Fixed)
  • Besonderheit: Manueller Toplader (keine Schublade)
  • Gewicht: ca. 4,2 kg
  • Neupreis ca.: 1.800 DM

Mackern-Tipp: Tauscht die Standard-Röhren mal gegen hochwertige NOS-Röhren aus – ihr werdet staunen, wie viel „Luft“ da klanglich noch nach oben ist!