Tsuyoshi Yamamoto Trio Misty

Tsuyoshi Yamamoto Trio Misty

Tsuyoshi Yamamoto Trio – Misty Hörbericht:


Das Album „Misty“ – Ein Meisterwerk des japanischen Jazz

Das Album „Misty“ aus dem Jahr 1974 ist weit mehr als nur eine Jazz-Platte – es ist ein audiophiles Monument. In der Welt des japanischen Jazz steht dieses Werk exemplarisch für eine Ära, in der technische Präzision und tiefste emotionale Resonanz eine perfekte Symbiose eingingen. Tsuyoshi Yamamoto hat hier Standards neu definiert und eine Klangwelt erschaffen, die bis heute als absolute Referenz gilt.


Hintergrund: Die goldene Ära des J-Jazz

In den 1970er Jahren erlebte Japan eine regelrechte Jazz-Blütezeit. Talentierte Musiker studierten die amerikanischen Vorbilder nicht nur, sie inhalierten sie und fügten eine eigene, fernöstliche Sensibilität hinzu. Tsuyoshi Yamamoto war einer der Protagonisten dieser Bewegung. Orientiert an Größen wie Bill Evans, Oscar Peterson oder Erroll Garner, entwickelte er einen Stil, der zwischen percussiver Härte und lyrischer Zärtlichkeit pendelt.

Die Intention hinter „Misty“ war klar: Die pure Schönheit und Emotionalität der Jazz-Standards einzufangen, ohne dabei den technischen Biss zu verlieren. Das Ergebnis ist eine Platte, die sowohl erfahrene Jazz-Kenner abholt als auch Einsteiger ehrfürchtig nicken lässt.


Klangqualität: Wenn TBM Records Ernst macht

Kommen wir zum Eingemachten. Wer eine potente Audioanlage besitzt, wird bei diesem Album feststellen: Der Klang kann einem regelrecht Angst und Bange machen. Das Label Three Blind Mice (TBM) war berühmt für seine extremen Nahaufnahmen und seine überwältigende Klangtreue.

Man sitzt nicht im Publikum – man sitzt im Klavier. Die Aufnahme erzeugt eine Atmosphäre, die so dicht und authentisch wirkt, als säße man direkt mit dem Trio im selben Raum. Wenn Yamamoto die Tasten anschlägt, meint man, das Hämmern der Mechanik physisch zu spüren. Von den feinsten Nuancen der Pedalgeräusche bis zum tiefen Grollen des Kontrabasses ist alles mit einer Klarheit eingefangen, die moderne Produktionen oft schmerzlich vermissen lassen. Die Dynamik ist explosiv und souverän.


Trackliste & Analyse:

  1. Misty (7:16)
    Der Über-Klassiker von Erroll Garner. Yamamoto spielt ihn mit einer solchen Hingabe und einem so wuchtigen Anschlag, dass man den Song völlig neu erlebt. Romantik mit Kante.
  2. Blues (7:59)
    Eine Originalkomposition von Yamamoto. Hier zeigt er sein tiefes Verständnis für den Blues-Rhythmus. Entspannt, emotional und verdammt cool.
  3. Yesterdays (6:10)
    Nostalgie trifft Dramatik. Das Trio baut hier eine Spannung auf, die die zeitlose Melodie von Jerome Kern in ein völlig neues Licht rückt.
  4. Honey Suckle Rose (6:04)
    Fats Waller in Höchstform. Ein swingendes, fröhliches Stück, bei dem Yamamotos Leichtigkeit und sein Gespür für Rhythmus voll zur Geltung kommen.
  5. Smoke Gets In Your Eyes (6:03)
    Bittersüß und melancholisch. Hier beweist das Trio, dass es auch die ganz leisen Töne beherrscht, die direkt unter die Haut gehen.
  6. I Didn’t Know What Time It Was (6:25)
    Raffinesse pur. Lyrische Schönheit trifft auf einen fließenden Rhythmus, der das Zusammenspiel der drei Musiker perfekt zelebriert.
  7. Angel Eyes (4:44)
    Der dunkle, mysteriöse Abschluss. Eine Ballade, die einen mit ihrer eindringlichen Melodie in einen gefühlvollen Ausklang entlässt.

Fazit

„Misty“ ist ein unverzichtbares Meisterwerk und ein zeitloser Klassiker. Das Tsuyoshi Yamamoto Trio hat hier eine japanische Sichtweise auf den Jazz verewigt, die technisch brillant und emotional entwaffnend ist. Für Audiophile ist diese Aufnahme aufgrund ihrer ungeheuren Dynamik und Präsenz ein absolutes Muss. Wer dieses Album nicht in seinem Regal hat, dem fehlt ein entscheidendes Stück Jazzgeschichte.

Anmerkung: In meiner ursprünglichen Tonaufzeichnung hat sich fälschlicherweise der Vorname „Takeshi“ eingeschlichen – natürlich ist der Meister Tsuyoshi Yamamoto gemeint!


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