Felix Laband Dark Days Exit
Felix Laband – Dark Days Exit Hörbericht: Wenn der Kater schön klingt
- Label: Open Record – Open 05
- Format: CD, Album, Stereo, Vinyl, Streaming
- Land: South Africa / ab 2005 Deutschland
- Veröffentlicht: 2004 / erneute Veröffentlichung 2005 in Deutschland
- Genre: Electronic
- Stil: Future Jazz, Downtempo, Ambient
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Felix Laband, der südafrikanische Klangtüftler, ist für mich einer der wenigen Künstler, die es schaffen, den Zustand zwischen Wachsein und Delirium perfekt zu vertonen. Sein Album „Dark Days Exit“, das 2005 auch in Deutschland einschlug, ist nicht einfach nur Musik – es ist ein atmosphärischer Zustand. Es ist die Weiterentwicklung seines Stils, weg vom reinen „Kopfnicker“-Beat hin zu einer akustischen Collage, die tief unter die Haut geht.
Hintergrund: Ein Südafrikaner mischt die Szene auf
Laband, Jahrgang 1975, wuchs in Kapstadt auf, und man hört seinen Tracks an, dass er nicht nur im sterilen Studio saß. Er hat sich nie in eine Schublade stecken lassen. Ist das jetzt Electronica? Jazz? Trip-Hop? Egal. Nach seinem Debüt „4/4 Down the Stairs“ (2000) war er in Südafrika schon eine Nummer. Aber mit „Dark Days Exit“ hat er die Grenzen endgültig eingerissen. Er mischt digitale Präzision mit analoger Wärme, und das Ergebnis ist ein Sound, der knistert, knackt und lebt.
Musikalischer Stil: Melancholie mit Groove
Das Album ist dunkel, ja. Der Titel ist Programm. Aber es ist keine depressive Dunkelheit, sondern eher diese angenehme Schwere, die man hat, wenn man nach einer langen Nacht nach Hause läuft und die Stadt noch schläft. Laband nutzt Field-Recordings, Samples und echte Instrumente, um eine Textur zu weben, die unglaublich dicht ist. Es ist minimalistisch, aber nie leer.
Die Themen sind persönlich, introspektiv, manchmal auch politisch – aber nie mit dem Holzhammer. Laband lässt Raum. Viel Raum. Das macht das Album zu einem Spiegelbild von Ungewissheit, aber auch von Hoffnung. Es ist Musik für den Kopfhörer, für den einsamen Moment auf der Couch, wenn die Welt draußen einfach mal die Klappe halten soll.
Produktion: Audiophiles Futter
Hier muss ich mal technisch werden: Die Produktion von „Dark Days Exit“ ist ein Fest für jede gute Anlage. Laband schichtet Klänge übereinander, dass es eine Freude ist. Da ist ein Knistern links, ein tiefes Brummen rechts, und mittendrin schwebt eine Gitarre oder ein Synthie-Sound, den man so noch nie gehört hat. Die Samples sind so clever gesetzt, dass sie hypnotisch wirken. Es ist fast cineastisch.
Und das Beste: Es klingt organisch. Viele elektronische Alben wirken kalt und steril. Laband schafft es, dass seine Beats atmen. Die Wärme traditioneller Instrumente trifft auf futuristische Kühle – eine Balance, die nur wenige so hinbekommen. Wer eine Anlage hat, die Räumlichkeit und Feindynamik abbilden kann, wird hier Details entdecken, die auf dem Smartphone-Lautsprecher einfach verschwinden. Ein Hochgenuss für die Ohren!
Wichtige Stücke und meine Highlights
Das Album hat keine Ausfälle, aber ein paar Tracks stechen für mich heraus:
- „Dark Days Exit“: Der Titeltrack ist der perfekte Einstieg. Hypnotisch, sanft, aber mit einer unterschwelligen Spannung, die einen sofort packt.
- „I Can’t Stop“: Zugänglicher, fast poppig, aber immer noch Laband. Der Rhythmus fließt, der Gesang ist butterweich. Ein Track, den man immer wieder hören kann.
- „Butterfly“: Hier wird es dicht und isoliert. Ein Gefühl von Sehnsucht, verpackt in subtile, organische Klänge. Wunderschön.
- „The Ocean’s Love“: Ambient trifft Trip-Hop. Gitarren, Field-Recordings, Melancholie pur. Zum Wegträumen.
Fazit: Ein zeitloser Trip
„Dark Days Exit“ ist kein Album für die Tanzfläche, auch wenn man dazu wippen kann. Es ist ein Album für den Kopf und das Herz. Felix Laband hat hier ein Meisterwerk abgeliefert, das auch fast 20 Jahre später nichts von seiner Faszination verloren hat. Es ist zeitlos, tiefgründig und klanglich ein Erlebnis. Wer auf dichte Atmosphären steht und keine Angst vor ein bisschen Melancholie hat, muss dieses Album in der Sammlung haben. Punkt.
Für mich ist es der perfekte Soundtrack für graue Sonntage oder späte Nächte. Es fordert Aufmerksamkeit, belohnt aber mit einer Tiefe, die man heute im Streaming-Einheitsbrei oft vergeblich sucht.
Tracklist mit meinen Eindrücken:
- Whistling In Tongues – 8:02
Was für ein Opener. Über acht Minuten baut sich hier eine Atmosphäre auf, die einen einsaugt. Flöten, Percussion, alles fließt ineinander. Ein Trip für sich. - Miss Teardrop – 3:29
Kurz, knackig, verspielt. Das elektrische Xylophon setzt Akzente, die Melodie ist melancholisch, aber irgendwie auch schräg. Typisch Laband. - Dirty Nightgown – 5:52
Düster, experimentell, minimalistisch. Der Beat ist repetitiv, aber nie langweilig. Eine dunkle Schwere, die fasziniert. - Falling Off A Horse – 5:19
Filmisches Kopfkino. Ein Gefühl von Verlust, verpackt in verschwommene Melodien und ruhige Rhythmen. - Sleeping Household – 5:22
Introspektiv und friedlich. Der Titel passt perfekt: Es klingt wie ein Haus, das schläft, während man selbst noch wach ist. Träumerisch. - Crooked Breath – 5:59
Verzerrt, versponnen, komplex. Hier zeigt Laband seine experimentelle Seite. Vielschichtig und meditativ. - Red Handed – 8:35
Intensiv und hypnotisch. Die Spannung steigt Minute für Minute. Ein dramatischer Höhepunkt des Albums. - Black Shoes – 5:48
Akkordeon trifft Elektronik. Klingt komisch? Ist aber genial. Folkloristisch, futuristisch, mystisch. Ein Highlight. - Radio Right Now – 7:38
Fragmentiert, atmosphärisch. Wie ein Radio, das zwischen den Sendern rauscht und dabei Musik macht. Spannend. - Minka (And The Notes After) – 10:25
Der epische Rausschmeißer. Über zehn Minuten lang, tiefgründig, monumental. Ein würdiger Abschluss für eine grandiose Reise.