Eine Vollaktivierung mit Systemen wie Trinnov oder einer Acourate-PC-Lösung bedeutet in der Praxis eine gigantische Materialschlacht. Das Signal erfährt eine A/D-Wandlung, wandert durch den DSP (was unweigerlich Latenz erzeugt) und wird danach in drei oder vier Frequenzbänder aufgeteilt. Plötzlich benötigen wir sechs bis acht exzellente D/A-Wandler-Kanäle.
XTC (Crosstalk Cancellation) und die gehörrichtige Lautstärke nach ISO-226 haben wir erfolgreich im Mackern Physics Lab (MPL) abgehakt. Die Werkzeuge sind geschärft, die Theorie sitzt. Jetzt begeben wir uns in ein Terrain, in dem sich die Spreu der echten Audio-Wissenschaft endgültig vom Weizen der HiFi-Esoterik trennt: Die Phase.
Wer von euch kennt Chesky Records nicht? Wenn wir über absolute akustische Maßstäbe und audiophile Referenzklasse sprechen, ist David Chesky der „Godfather of binaural sound“. Die Aufnahmen, die dort – oft in akustisch perfekten Kirchen oder speziellen Räumen – produziert werden, fangen Rauminformationen mit einer atemberaubenden, dreidimensionalen Präzision ein. Sie nutzen dafür Kunstkopfmikrofone (Dummy Head Recording), die exakt das aufzeichnen, was an den Trommelfellen eines menschlichen Zuhörers im Raum ankäme.
Um euch kurz abzuholen: Labels wie ECM spielen gerne mit der Atmosphäre. Das bedeutet, dass über Phase und Zeit extrem viel Räumlichkeit suggeriert wird – also wie tief, hoch und breit die Bühnendarstellung vermittelt wird. Wenn unser Raum nun sehr viele Reflexionen hat, zerstört das diese empfindliche Phase. All das Schaffenswerk des Studios wird zunichtegemacht und wir bekommen Musik präsentiert, die in unserem Ohr überhaupt keinen Sinn mehr ergibt.
nun steht mein Mackern Physics Lab (MPL) kurz vor der Vollendung. Anfänglich hätte es nur eine einfache, ehrliche Raumsimulation werden sollen. Ein bisschen Wände schubsen, die fiesesten Raummoden berechnen, fertig. Doch dank meiner Lieblings-HiFi-WhatsApp-Gruppe ist das Projekt massiv eskaliert. Man wirft ein harmloses Diagramm in den Chat, es kommen drei Detailfragen zurück – „Sag mal Cüneyt, berechnest du da eigentlich auch das Group Delay der Frequenzweiche mit rein?“ – und bumm: Plötzlich baust du eine komplette DSP-Simulations-Engine mit allem Zipp und Zapp. Eine ausführliche
Warum hält sich dieser Begriff dann so hartnäckig in der Szene? Ganz einfach: „Musikalität“ ist das perfekte semantische Fluchtwort. Es ist der Kuschelpulli der HiFi-Schreiberlinge. Immer dann, wenn ein Gerät messtechnisch eigentlich eine Vollkatastrophe ist, wenn es Details im Hochton gnadenlos verschluckt, den Bass aufweicht wie einen Schwamm im Spülbecken
Um die Tragik dieser Geschichte zu verstehen, muss man zurück in die frühen 70er Jahre gehen. Die Frankfurter Firma Braun war damals das Maß aller Dinge im deutschen Design und Engineering. Unter der Ästhetik von Dieter Rams entstanden Geräte, die heute als Ikonen im Museum of Modern Art stehen. Franz Petrik war dort einer der fähigsten Köpfe in der Lautsprecherentwicklung.
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