Marantz PM 75
Marantz PM 75 Vollverstärker Erfahrungsbericht / Test: Der unterschätzte Bolide mit Philips-Genen
Einleitung: Marantz zwischen Kult und Kommerz
Die Marke Marantz ist zweifellos ein Phänomen, das die HiFi-Community wie kaum eine andere spaltet. In den Köpfen vieler Musikliebhaber steht der Name synonym für das Nonplusultra an Qualität. Dieser Nimbus geht mittlerweile so weit, dass selbst fachfremde Flohmarktverkäufer beim Anblick des geschwungenen Schriftzugs glauben, einen unermesslichen Schatz gehoben zu haben. Das treibt die Preise oft in Regionen, die in keinem Verhältnis zum technischen Gegenwert stehen.
Nüchterne Betrachtung statt Marken-Hype
Obwohl ich mich stets um eine neutrale Haltung bemühe, muss ich gestehen, dass mir der jahrelange Hype um diese Marke oft sauer aufstößt. Ich bin fest davon überzeugt, dass es zahlreiche Alternativen aus den 70er, 80er und 90er Jahren gibt, die nicht nur deutlich preiswerter zu erstehen sind, sondern klanglich sogar die Nase vorn haben. In meinen früheren Berichten habe ich bereits mehrfach angemerkt, dass beispielsweise Kenwood-Receiver den legendären Marantz-Modellen 2245 oder 2270 mindestens ebenbürtig, wenn nicht gar überlegen sind. Es ist daher an der Zeit, die Geräte von Marantz einmal ganz nüchtern und objektiv unter die Lupe zu nehmen.
Der Marantz PM 75: Ein Lichtblick für Preisbewusste
Doch es wäre unfair, die gesamte Marke über einen Kamm zu scheren. Innerhalb des Marantz-Portfolios finden sich nämlich durchaus Modelle, die bisher unter dem Radar des Massenhypes geflogen sind und somit zu fairen Konditionen gehandelt werden. Ein herausragendes Beispiel hierfür ist der Vollverstärker PM 75. Dieses Gerät ist technisch äußerst spannend, da es über einen integrierten Digital-Analog-Wandler verfügt. Das Herzstück bildet hierbei der legendäre Philips TDA1541A Wandler-Chip, der auch in den besten CD-Playern seiner Zeit für Furore sorgte und unter Kennern bis heute einen exzellenten Ruf für seine musikalische Spielweise genießt.
Leistung, Haptik und Design
Abseits der digitalen Finessen liefert der PM 75 auch analoge Schwerstarbeit ab. Mit einer beeindruckenden Sinusleistung von 200 Watt an 4 Ohm kontrolliert er auch schwierigere Lautsprecher mit Bravour. Die Verarbeitungsqualität ist durchweg solide und wertig. Besonders positiv macht sich das Gewicht von fast 18 Kilogramm bemerkbar, das dem Verstärker eine robuste und vertrauenerweckende Haptik verleiht. Trotz seiner Kraft wirkt das Design kompakt und lässt sich harmonisch in jedes HiFi-Rack integrieren.
Klangqualität im Vergleich
Klanglich präsentiert sich der PM 75 erfreulich neutral und baut auf einem sehr soliden, trockenen Bassfundament auf. Er neigt weniger zum „Schönen“ als manch anderer Marantz-Vertreter, sondern spielt direkt und ehrlich. Der integrierte Wandler leistet hervorragende Arbeit, auch wenn er im direkten Vergleich zum absoluten Boliden Yamaha AX 2000 eine Nuance zurückstecken muss. Fairerweise muss man jedoch sagen, dass der PM 75 preislich in einer ganz anderen Liga spielt und sein eigentlicher Gegner im eigenen Hause eher der PM 95 gewesen wäre.
Fazit: Ein echter Geheimtipp
Insgesamt ist der Marantz PM 75 eine absolut lohnenswerte Anschaffung für alle, die Marantz-Qualität suchen, aber nicht bereit sind, die überzogenen „Sammlerzuschläge“ der Klassiker-Serien zu zahlen. Er bietet eine erstklassige Ausstattung, die auch heute kaum Wünsche offen lässt, kombiniert mit einer souveränen Klangcharakteristik. Wer einen kraftvollen Verstärker mit exzellentem internen DAC sucht, sollte den PM 75 definitiv auf dem Schirm haben. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Marantz PM 75
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Bauart | Vollverstärker mit integriertem D/A-Wandler |
| Leistung | Ausgangsleistung (RMS) | 2 x 100 W (8 Ohm) / 2 x 200 W (4 Ohm) |
| Digital-Sektion | DAC-Chip | Philips TDA1541A (16-Bit / 4x Oversampling) |
| Audio | Frequenzgang / Klirr | 10 Hz – 150.000 Hz / 0,008 % (THD) |
| Anschlüsse | Eingänge Digital | Koaxial (Cinch), Optisch (Toslink) |
| Anschlüsse | Eingänge Analog | Phono (MM/MC), CD, Tuner, Aux, 2x Tape |
| Maße | Gewicht / Größe | 16,8 kg / 454 x 151 x 379 mm (B x H x T) |
| Historie | Produktionsjahr | ca. 1989 |