Marantz 2500
Marantz 2500 Vintage High End Receiver Erfahrungsbericht / Test: Ein Gigant zwischen Flohmarkt-Glück und technischem Wahnsinn
Einleitung: Die schwindende Jagd nach Flohmarkt-Schätzen
Als leidenschaftlicher Flohmarktgänger muss ich mir leider immer öfter eingestehen, dass die „gute alte Zeit“ vorbei ist. Es wird von Jahr zu Jahr schwieriger, auf den Märkten meiner Region noch echte HiFi-Schätze zu heben. Meine letzte wirklich große Errungenschaft liegt bereits eine gefühlte Ewigkeit zurück. Oftmals begegnet man entweder völlig überzogenen Preisvorstellungen oder man findet schlichtweg nur noch Elektronik-Schrott, der den Namen HiFi nicht verdient hat. Die Konkurrenz unter den Jägern ist zudem gnadenlos geworden. Vor einigen Wochen beobachtete ich eine Szene, die fast schon filmreif war: Eine ganze Horde von HiFi-Verrückten drängte sich um einen Accuphase E 207 und kämpfte förmlich um die beste Position – ein bizarrer Anblick.
Der Zufallsfund: Zwischen Star Wars und einem silbernen Grinsen
Doch manchmal spielt der Zufall Regie, wenn man es am wenigsten erwartet. Eigentlich war ich gar nicht auf der Suche nach neuem Spielzeug für mein Rack, sondern wollte lediglich ein paar Star Wars-Sammelkarten für meine beiden Jungs ergattern. Als ich auf den Parkplatz rollte und direkt hinter einem alten Benz parkte, dessen Kofferraum sperrangelweit offen stand, passierte es. Der Besitzer bot dort eigentlich nur ein paar Nähmaschinen an. Doch ein flüchtiger Blick tiefer in das dunkle Innere des Kofferraums ließ mir schlagartig die Spucke im Hals steckenbleiben: Ein gewaltiger Marantz 2500 grinste mich an und schien förmlich durch die Scheibe zu rufen: „KAUF MICH, KAUF MICH JETZT!“
Über den Preis schweige ich an dieser Stelle lieber. Eines ist klar: Im Zeitalter von Smartphones und ständig verfügbarem mobilem Internet sind echte „50-Euro-Schnäppchen“ bei solchen Boliden fast unmöglich geworden. Die Verkäufer wissen meist sehr genau, was sie da im Kofferraum spazieren fahren. Da ich ohnehin nicht genug Bargeld in der Tasche hatte, wurde der Deal auf den Abend vertagt und das Gerät direkt beim Verkäufer abgeholt.
Zustand und Technik: Ein Riese mit Wehwehchen
Zuhause angekommen folgte die Ernüchterung, die man bei Flohmarktfunden fast immer mit einkalkulieren muss. Der Marantz war stumm. Die Relais schalteten nicht durch und im Vorstufenbetrieb gab lediglich der rechte Kanal ein Lebenszeichen von sich. Zu allem Überfluss jaulte der verbaute Lüfter wie ein alter Traktor auf dem Feld. Aber mal ehrlich: Wer auf dem Flohmarkt voll funktionsfähige High-End-Boliden erwartet, der glaubt auch noch an den Weihnachtsmann. Die Modelle 2385, 2500 und 2600 gehören zum Olymp der Marantz-Receiver. Wenn so ein Gigant bei eBay auftaucht, brennen bei den Bietern regelmäßig die Sicherungen durch und die Preise schießen in astronomische Höhen. Das betrifft nicht nur Marantz, sondern auch Schwergewichte von Sansui oder Pioneer, die mittlerweile preislich die Monatsgehälter eines Ingenieurs übersteigen.
Design, Verarbeitung und der Lüfter-Makel
Optisch ist der 2500er ein typisches Kind seiner Familie. Die Designsprache ist konsequent, edel und zeitlos. Im Inneren offenbart sich jedoch ein kleines Manko: Im direkten Vergleich zu einem Pioneer SX 1980 wirkt der Marantz-Aufbau fast ein wenig unaufgeräumt. Pioneer hat damals wesentlich sauberer und wertiger konstruiert. Ich bin fest davon überzeugt, dass man sich mit einem intelligenteren Kühlkonzept den Lüfter komplett hätte sparen können. Glücklicherweise entspricht die Größe des Lüfters heutigem PC-Standard, sodass man das lärmende Originalteil problemlos gegen einen superleisen Papst-Lüfter austauschen kann.
Klangqualität: Druckvoll bis zum Horizont
Ich kenne den klanglichen Charakter des noch größeren 2600ers sehr gut, da er bei einem Freund ein Paar JBL 250ti befeuert. Oft wird behauptet, dass diese Watt-Monster an Musikalität einbüßen, je höher die Leistung steigt. Das kann ich absolut nicht bestätigen. Wenn die passenden Lautsprecher dranhängen, spielen diese Receiver traumhaft dynamisch und mit einem Druck, der seinesgleichen sucht. Der 2500er steht dem in nichts nach; er ist im Grunde das gleiche Gerät mit nur unwesentlich weniger Leistung.
Persönliches Resümee
Trotz der Faszination für diesen Giganten muss ich ehrlich sein: Ich würde die aktuell aufgerufenen Marktpreise für keinen dieser Receiver bezahlen. Wer clever ist, sucht sich lieber einen Marantz 1300 DC Vollverstärker und kombiniert ihn mit einem Marantz 2130 Tuner. Diese Kombination bietet optisch (dank des Scopes im Tuner) meiner Meinung nach sogar mehr, ist mechanisch oft solider aufgebaut und schont zudem den Geldbeutel erheblich. In diesem Sinne…
Gesamttabelle – Marantz 2500
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Prinzip | Gerätetyp | Vintage High End Receiver (Stereo) |
| Leistung | Dauerleistung (RMS) | 2 x 250 W (8 Ohm) / 2 x 350 W (4 Ohm) |
| Audio | Frequenzgang | 10 Hz – 60.000 Hz |
| Audio | Dämpfungsfaktor | 40 (an 8 Ohm) |
| Technik | Besonderheit | Integrierter Oszilloskop (Scope) zur Signalanzeige |
| Kühlung | System | Aktivlüfter (Tunnelkühlung) |
| Maße | Gewicht / Größe | 27,4 kg / 490 x 177 x 438 mm (B x H x T) |
| Historie | Bauzeitraum | 1979 – 1980 |