Accuphase E-406
Accuphase E-406: Vom Frustkauf zum Goldstück – Oder: Wenn das Himalaya-Wasser kocht
Vorwort: Der faule Sonntag und der Jagdinstinkt
Kennt ihr das? Man liegt an einem entspannten Sonntag auf der Couch, das Hirn befindet sich im tiefsten Standby-Modus und die Finger wischen eigentlich nur noch lethargisch über das Smartphone. Eine Runde Clash Royale, ein lustloser Blick in die E-Mails, kurz WhatsApp checken – das übliche Programm. Mein Jagdinstinkt war eigentlich komplett ausgeschaltet; ich hatte absolut null Ambitionen, mich durch die Tiefen des Internets nach neuem HiFi-Geraffel zu wühlen.
Doch dann bimmelt plötzlich das iPhone. Am anderen Ende ein Herr aus der Nachbarschaft: Er hätte da was für mich. Einen Accuphase E-406. Bäm! Schlagartig war jede Lethargie verflogen. Accuphase – allein dieses Wort löst bei uns HiFi-Verrückten ja schon einen gewissen Speichelfluss aus. Ohne groß nachzudenken (das Hirn war ja eh noch halb aus) bin ich rein ins Auto und hin da. Vor Ort gab es ein kurzes Geplänkel, der Verkäufer wirkte solide, ein typischer HiFi-Opa eben. Vertrauensvorschuss gewährt, das 28-Kilo-Monster in den Kofferraum gewuchtet und ab nach Hause. Fehler Nummer eins: Ich habe die Kiste vor Ort nicht getestet.
Die kalte Dusche: Ein kurzer Traum in Gold
Zuhause angekommen, habe ich das Champagner-Schätzchen sofort ins Rack gewuchtet, verkabelt und voller Vorfreude den Power-Knopf gedrückt. Die VU-Meter leuchten bernsteinfarben, das Relais klickt satt… und Musik! Herrlich! Genau für eine Minute. Dann machte es plötzlich „Klack“, die Schutzschaltung sprang an und die Kiste war stumm wie ein Grab. Freunde, ich war so sauer, ich hätte ins Rack beißen können! Da kauft man sich so einen Boliden, freut sich wie ein Schneekönig, und dann das.
Die Diagnose: Pfusch am Bau
Natürlich rief ich den Verkäufer sofort an. Und was kam? Der Klassiker: „Also bei mir lief der noch einwandfrei!“ Ja, sicher. Diese Leier kennen wir alle zur Genüge. Aber ich bin ja kein Anfänger, dem man so einfach einen Bären aufbindet. Also Zähne zusammenbeißen und ab mit dem Patienten zu einem Bekannten, der glücklicherweise genau weiß, an welchem Ende der Lötkolben heiß wird. Die Diagnose war schnell gestellt und leider bezeichnend für viele Überraschungen auf dem Gebrauchtmarkt: Ein durchgeschmortes Kabel hatte einen Kurzschluss verursacht, der wiederum zwei Dioden im Relais-Bereich in den Halbleiterhimmel geschickt hatte. Da hatte wohl schon mal jemand dran rumgefummelt, der besser beim Klempnern geblieben wäre.
Die Wiederauferstehung und die legendäre Verarbeitung
Die Reparatur selbst war für den Profi ein Klacks. Dennoch blieb dieser fade Beigeschmack, dass hier jemand versucht hat, Elektroschrott zu Goldpreisen zu verhökern. Ich habe mir einen Teil des Geldes natürlich zurückgeholt – da kenne ich nichts. Aber Schwamm drüber, kommen wir zum Wesentlichen: Dem Verstärker selbst. Lobeshymnen auf die Haptik eines Accuphase zu singen, ist eigentlich wie Eulen nach Athen zu tragen. Aber man muss es einfach sagen: Das Ding ist gebaut wie ein Panzerschrank. Sicher, auch Accuphase kocht nur mit Wasser. Aber ich habe den Verdacht, sie importieren dieses Wasser direkt als geschmolzenes Gletschereis vom Himalaya, filtern es durch Mondgestein und segnen es anschließend höchstpersönlich. Diese fast schon sterile Reinheit in der Verarbeitung spiegelt sich eins zu eins im Klang wider. Wenn man an den Reglern dreht, spürt man diese satte, präzise Mechanik – das ist kein Spielzeug, das ist feinster Maschinenbau.
Der Klang: Absolute Souveränität und Kontrolle
Wie klingt er nun, der E-406? In einem Wort: Souverän. Es ist ihm völlig egal, was man hinten an die massiven Klemmen hängt. Zickige Lautsprecher? Impedanz-Einbrüche bis tief in den 2-Ohm-Keller? Der Accuphase lächelt nur müde und schiebt unbeeindruckt Leistung nach. Er spielt unglaublich rein, aufgeräumt und mit einer Kontrolle, die manch anderen Verstärker vor Neid erblassen lässt. Man hat ständig das sichere Gefühl: Hier hat jemand ganz klar das Sagen, und das ist nicht der Lautsprecher.
Eine kleine Anekdote: Das Drama des Bekannten
Dazu eine kurze Geschichte: Ein Bekannter von mir, ein ewiger „Suchender“ auf dem Weg zur High-End-Erleuchtung, war scharf auf ein paar Lautsprecher, die ich gerade zum Testen da hatte. Vorgeführt habe ich die Tröten natürlich am E-406. Der Kollege war völlig hin und weg! „Was für ein Klang! Was für ein Raum!“, rief er begeistert. Er kauft die Lautsprecher, schleppt sie voller Vorfreude heim… und ruft mich zwei Stunden später völlig frustriert an. Keine Mitten, kein Grundton, alles klinge dünn und blutleer – und das bei Lautsprechern, die eigentlich fast schon zu fett auftragen!
Meine Theorie dazu: Entweder ist sein Hörraum eine akustische Katastrophe, die jeden Mittelton verschluckt, oder – und das ist viel wahrscheinlicher – er hat erst jetzt gemerkt, was der Accuphase E-406 bei mir geleistet hat. Der Verstärker hatte die Lautsprecher so fest im Griff, dass sie bei mir glänzten, während sie an seiner Elektronik schlicht verhungerten.
Fazit: Ein Bolide für die Ewigkeit
Machen wir einen Strich drunter: Der Accuphase E-406 gehört klanglich und verarbeitungstechnisch zur absoluten Spitzenklasse der Vollverstärker. Er macht schlichtweg nichts falsch, sieht unfassbar gut aus und bietet diesen extremen „Haben-Wollen“-Faktor. Er bringt Ruhe ins Klangbild und puren Hörspaß in die Bude. Gibt es etwas Besseres? Nun ja… nichts bringt diesen Accuphase so schnell aus der Ruhe. Außer vielleicht, man stellt ihm einen massiven ASR Emitter 2 Plus gegenüber. Wenn das Schlachtschiff aus Herborn den Raum betritt, muss selbst der Samurai aus Japan kurz salutieren. Aber das ist eine andere Geschichte… In diesem Sinne!
Gesamttabelle – Accuphase E-406
| Kategorie | Merkmal | Daten / Beschreibung |
|---|---|---|
| Leistung | Ausgangsleistung (RMS) | 2 x 200 W (8 Ω) / 2 x 360 W (4 Ω) |
| Audio | Frequenzgang (Nennleistung) | 20 Hz – 20 kHz (+0 / −0,2 dB) |
| Audio | Klirrfaktor (THD) | 0,03 % (20 Hz – 20 kHz) |
| Dynamik | Dämpfungsfaktor / SNR | > 400 (8 Ω) / 123 dB (A-gewichtet) |
| Eingänge | Anschlüsse | 7 Eingänge (inkl. Phono MM/MC, XLR symmetrisch) |
| Ausgänge | Schnittstellen | Pre-Out (symmetrisch & unsymmetrisch), 2 LS-Paare |
| Maße | Gewicht / Größe | 28,8 kg / 465 × 187 × 454 mm (B x H x T) |
| Verarbeitung | Finish | Champagner-Gold, massive Metallregler |
Hallo bei den Daten steht 406V
hast den 406 oder 406V getestet?
Weißt du wie die klanglich im Vergleich sind? Vielen Dank. Grüße Mario
Hi,
ja kenne beide. Ich persönlich finde, das klanglich kein Unterschied gibt. Der ohne V hat ein konventionellen Trafo und der mit V einen Rinkerntrafo. Mich spricht die ohne V jedenfalls mehr an.
Grüße
Die technischen Daten wurden soeben angepasst
Hi, kurze Frage ich möchte auf Accuphase wechseln. Ich habe schon einen DP-67 CD Spieler. Ich stehe vor der Wahl zwischen einem E-406V, einem E-350 oder E-370.
Speaker sind Harbeth M30.1
(Wirkungsgrad 85dB, Impedanz 6 Ohm).
Wozu würdest du klanglich raten? Eher zum „vintage“ 406V mit mehr Reserven, oder zu einem der jüngeren 3er Modelle? Zahlt sich die neue AAVA Lautstärkeregelung aus?
Danke für einen Tipp.
Nächste Woche werde ich den 406er mal probehören. Danke für einen Tipp.
Hi,
das ist schwer zu sagen. Kenne die neueren 3 Serie nicht alle. Aber ich stehe immer auf Verstärker die unterm Strich noch durch Ihre Leistungsreserven zupacken können. Aber Geschmäcker sind verschieden.
Grüße